HDR: Wann? Wofür? Wie?

In den letzten Tagen habe ich hier ein paar Fotos in HDR veröffentlicht. Grund genug für mich, um mich nun auch einmal ausführlicher mit HDR in einem Artikel zu befassen. Und um es gleich vorweg zu sagen, ich bin kein großer Freund der HDR-Technik. Insofern bin ich auch froh, dass diese Modewelle, in der HDR ein Selbstzweck geworden war, inzwischen zum Glück wieder vorbei ist.
Dennoch gibt es eben Momente, in denen HDR sehr sinnvoll sein kann und wo ich dann auch froh bin, wenn ich auf diese Technik zurück greifen kann.

Was ist HDR?

HDR ist eine Technik, um den geringen Dynamikumfang der Kamera zu umgehen. Die Fotos die umgangssprachlich unter HDR verstanden werden sind eigentlich DRI-Bilder. Echtes HDR lässt sich nur auf sehr teuren Monitoren (15.000€ und mehr) wiedergeben. Insofern wird auf ein HDR-Bild immer noch ein Tonemapping angewendet, wodurch das HDR wieder auf den Bereich herunter gerechnet wird, den normale Monitore und Drucker wiedergeben können. Das Ergebnis ist ein DRI-Bild (Dynamik Range Increased). Der Einfachheit halber werde ich aber im Folgenden dem umgangssprachlichem Sprachgebrauch folgen und von HDR reden.

Wann ist HDR sinnvoll?

HDR ist immer dann sinnvoll, wenn man eine Situation hat, die die Kamera vom Dynamikumfang her nicht bewältigen kann. Wenn einem also entweder die Schatten absaufen oder die Lichter vollkommen uberstrahlen. Dann ist HDR eine sinnvolle Wahl, um den Dynamikumfang des Bildes zu erhöhen und in allen Bereichen noch Details wieder zu geben. Dies kann z.B. bei einem Sonnenuntergang der Fall sein genauso wie in Innenräumen wie z.B. Kirchen.

Hier einmal ein Beispiel anhand meines Sonnenuntergangs-HDR. Zunächst einmal das normal belichtete Foto der Kamera:

IMG_2462

Und zum Vergleich das fertige HDR:

HDR1-Sonne-skaliert

Wie man sieht bietet das HDR wesentlich mehr Details. Der Himmel überstrahlt nicht und ist auch nicht flau, die Wiese und die Bäume saufen nicht gänzlich im Dunkeln ab.

Wie macht man nun ein HDR?

Die Grundlage für ein HDR schafft man bereits bei der Aufnahme, indem man nicht einfach nur ein Foto macht, sondern eine Belichtungsreihe, die mindestens aus 3 Fotos, einem unter- einem über- und einem normal belichteten Foto besteht. Wer mag kann natürlich auch mehr Fotos in unterschiedlichen Belichtungsstufen machen. Drei sind aber Minimum.
Hierzu stellt man die Kamera am besten auf Serienbild. Außerdem sollte man unbedingt ein Stativ verwenden. Zur Not geht es zwar auch ohne, mann erhält dann aber Abweichungen, die sich später nur noch bedingt ausgleichen lassen und die Qualität des Bildes, insbesondere die Schärfe negativ beeinflussen.
Insofern ist ein Stativ für HDR eigentlich absolute Pflicht.

Hat man nun seine Belichtungsreihe vom Stativ aus fotografiert, geht es daheim an die Postproduktion am Rechner. Für die Erstellung von HDRs gibt es spezielle Programme. Mein Programm der Wahl ist Luminance. Dies liegt zum einem daran, das ich als Linux-Nutzer in diesem Bereich ohnehin nicht viele Programme zur Wahl habe, zum anderem aber auch daran, das sich mit Luminance in der Tat brauchbare Ergebnisse erzielen lassen.
Da es Luminance für alle gängigen Betriebssysteme gibt und es OpenSource ist und kostenlos bezogen werden kann, möchte ich es an dieser Stelle aber auch einmal allen empfehlen, die einfach einmal in die HDR-Fotografie hereinschnuppern wollen. Teure Programme kann man später immer noch kaufen, wenn einem die Möglichkeiten von Luminance nicht mehr ausreichen.

Wie erstellt man ein HDR mit Luminance?

Die Erstellung eines HDRs mit Luminance ist im Prinzip ganz einfach. Im folgenden möchte ich diese einmal am Beispiel eines meiner HDR-Fotos der Ruhr präsentieren.
Zunächst einmal das normal belichtete Foto der Belichtungsreihe, ganz ohne HDR:
IMG_2352

Und zum Vergleich einmal das fertige HDR:

HDR-Ruhr2

Um dieses fertige HDR zu erstellen habe ich zunächst Luminance benutzt und später noch mit Gimp nachgebessert. Aber nun der Reihe nach:

Wenn man Luminance öffnet wird man von einer sehr aufgeräumten Oberfläche begrüsst:

Luminance-Start

Hier klickt man dann einfach oben links auf New HDR, woraufhin man von einem Assistenten begrüßt wird, mit dem man die Bilder seiner Belichtungsreihe auswählen kann. Dieser erkennt dann, wie sich die Bilder belichtungstechnisch zueinander verhalten. Außerdem kann man hier noch eine automatische Ausrichtung aktivieren, falls man nicht vom Stativ fotografiert hat. Hat man aber wie man es ja eigentlich sollte vom Stativ fotografiert kann man einfach weiter klicken.

Luminance-Assistent1

Für den Anfang brauchen einen auch die übrigen Dialoge des Assistenten von Luminance nicht zu interessieren, so das man auch hier einfach immer auf weiter klicken kann. Am Ende ist dann ein HDR erstellt und man landet in dieser Ansicht:

Luminance-HDR

In der Mitte sieht man das HDR-Bild, auf welches es nun noch das Tonemapping anzuwenden gilt. Praktisch ist hierbei, das sich am rechten Rand bereits Thumbnails für die einzelnen Algorithmen befinden so das man sich dort durchklicken und sich einen Überblick verschaffen kann. Links oben wählt man dann das Tonemapping aus, welches man verwenden möchte und stellt links unten die Auflösung ein. Wichtig: Standardmäßig ist hier die Thumbnail-Größe eingestellt. Insofern muss man hier noch eben die größtmögliche Auflösung wählen und dann nur noch auf Anwenden klicken.
Nun erstellt Luminance das fertige Bild, was je nach Rechenleistung etwas dauern kann.

Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, das ich mit Reinhard’05, Fattal und Mantiuk’06 die besten Ergebnisse erziele. Letztlich muss man das aber von Bild zu Bild neu entscheiden.

Hier einmal die gerade erwähnten drei Tonemappings im Vergleich:

Reinhard 05

reinhard05

Fattal

fattal

Mantiuk 06

mantiuk06

Wie man sieht, entspricht keine dieser Varianten meinem fertigen HDR:

HDR-Ruhr2

Dies liegt schlicht daran, das ich auch mit keiner dieser Varianten vollauf zufrieden bin. Insofern ist noch ein weiterer Arbeitsschritt mit Gimp nötig, indem die obrigen HDR-Bilder zum finalen HDR kombiniert werden.

Der letzte Feinschliff mit Gimp

Nachdem ich mit Luminance die obrigen 3 HDR-Bilder erstellt habe, habe ich diese noch schnell mit Hilfe von Gimp zu dem fertigen HDR zusammengefügt.
Dafür habe ich zunächst die Reinhard’05 Variante mit Gimp geöffnet. Anschließend die Mantiuk’06 Version als Ebene. Hier wurde dann der Ebenenmodus auf Wert gestellt und die Deckkraft auf ca 80% reduziert.
Als nächstes habe ich dann die Fattal Version als ebene geöffnet und den Ebenenmodus auf Nachbelichten gestellt und die Deckkraft auf ca 60% reduziert.
Zum Abschluss bekam die Fattal-Ebene noch eine Ebenenmaske und einen Farbverlauf von volle Deckkraft zu volle Transparenz, so das diese nur auf den Himmel, aber nicht auf die Landschaft angewendet wird.

Gimp

Abschließend noch die Ebenen vereinen und als JPG exportieren: Fertig.

Wem das jetzt alles ein wenig To-Much war, der findet hier noch eine kleine Anleitung, die sich auf die wesentlichen Grundfunktionen von Luminance beschränkt.

Allen anderen, die bis hier hin mit dem Lesen gekommen sind wünsche ich viel Spaß beim Ausprobieren und Nachbauen. Experimentiert einfach mal ein wenig mit der HDR-Technik herum.

Darüber hinaus würde ich mich natürlich auch über Feedback und Verbesserungsvorschläge für diese Anleitung freuen.

Für dieses How-To benötigte Software

Luminance OpenSource HDR-Tool (kostenlos)
Gimp OpenSource Bildbearbeitung (kostenlos)

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