Fotogrundlagen: Für gute Schwarz-Weiß Fotos benutzt man den Kanalmixer, nicht den Monochrom-Modus der Kamera

Mit diesem Artikel möchte ich eine kleine Grundlagen-Serie begründen, die sich vor allem an Einsteiger in die Fotografie richtet und ihnen dabei helfen soll, rasch zu besseren Bildergebnissen zu gelangen und die üblichen “Anfängerfehler” zu vermeiden.
Den Auftakt möchte ich hier nun damit machen, zu erklären, wieso man für gute Schwarz-Weiß Fotos nicht den Monochrom-Modus der Kamera verwenden sollte und wie man bei der Bildbearbeitung mit Hilfe des Kanalmixers hier zu deutlich besseren und ansehnlicheren Ergebnissen gelangt.

Das Problem beim Schwarz-Weiß-Modus der Kamera ist einfach, dass die Kamera schlicht die Farben weg lässt und das Bild in Grauwerte umsetzt. Dies bedeutet dann wiederum, dass es einem an Flexibilität fehlt wenn es darum geht, zu ansprechenden Bildergebnissen in Schwarz-Weiß zu kommen. Aber was kann man stattdessen anders/besser machen?

Wenn man das Problem vermeiden will, dass es einem am Ende an Bildinformationen fehlt, um zu ansprechenden Ergebnissen zu kommen, muss man einfach dafür sorgen, dass man soviele Bildinformationen wie möglich hat.
Und dies bedeutet nun einmal, dass man im Farbmodus der Kamera fotografiert und idealerweise die Aufnahme auch gleich als RAW-Datei speichert.
Die Umwandlung in ein Schwarz-Weiß-Foto erfolgt dann erst hinterher in der Bildbearbeitung am Rechner. Denn damit kommt man auf jeden Fall zu den deutlich besseren Ergebnissen und kann auch aus ein und der selben Aufnahme unterschiedliche Schwarz-Weiß-Fotos produzieren, die zum Teil dann auch eine ganz andere Bildstimmung transportieren.

Welche Möglichkeiten der Schwarz-Weiß-Umwandlung gibt es?

Hier will ich in aller Kürze eben die beiden häufigsten Arten der Schwarz-Weiß-Umwandlung am Rechner besprechen.
Zum einem gibt es in fast jedem Bildbearbeitungsprogramm die Option Graustufen oder auch In Graustufen umwandeln genannt. Hiermit ist man schon einmal etwas flexibler als bei der direkten Aufnahme mit der Kamera, da einem in der Regel hier mehrere Optionen zur Verfügung stehen, woran sich das Programm bei der Umwandlung orientieren soll. Somit erreicht man hiermit auch schon etwas bessere Ergebnisse. Alles in allem, ist diese Option allerdings auch nicht viel besser, als die Umwandlung direkt in der Kamera. Insofern ist hiermit nicht viel gewonnen. Bei manchen Fotos erreicht man so zwar gute Ergebnisse, zu empfehlen ist diese Technik jedoch trotzdem nicht. Es sei denn, man ist auf ein schnelles Ergebnis angewiesen.

Zu einem deutlich besserem Ergebnis kommt man hingegen, indem man den Kanalmixer benutzt. Hier gilt es in der Regel die Option monochrom (oder ähnlich benannt) zu aktivieren. Nun kann man die einzelnen Farbkanäle in ihrer jeweiligen Gewichtung verändern und somit zu ganz unterschiedlichen Bildern kommen. Vor allem lassen sich auf diese Weise Fotos erreichen, die in ihrer Wirkung den Farbfiltern aus der analogen Fotografie nahe kommen.
Das Problem hierbei besteht lediglich darin, dass diese Technik etwas Übung erfordert und man gerade zu Anfang recht viel experimentieren muss, um zu guten Ergebnissen zu gelangen.
Der etwas höhere Arbeits- und Lernaufwand lohnt sich aber auf jeden Fall, weshalb ich diese Technik hier nur allen empfehlen kann, die Wert auf gute und interessante Schwarz-Weiß-Fotos legen.
Gerade am Anfang hilft es im Übrigen bei dieser Technik deutlich weiter, wenn die drei Farbkanäle zusammen ca. 100% ergeben. Später, wenn man Übung im Umgang mit dem Kanalmixer hat, kann man sich von dieser Faustregel ein wenig befreien. Für den Anfang stellt sie aber eine gute Orientierung da.

Bis hier hin gilt also: Fotos immer in Farbe aufnehmen und das mehr an Bildinformation dann dafür benutzen, um am Rechner mit Hilfe des Kanalmixers zu wirklich ansprechenden und individuellen Schwarz-Weiß-Fotos zu kommen.

Wie erstellt man gute Schwarz-Weiß Fotos mit dem Kanalmixer?

Im Folgenden möchte ich hier nun die Verwendung des Kanalmixers an einem Beispiel verdeutlichen und erläutern wie man mit seiner Hilfe zu guten Schwarz-Weiß Fotos kommt. Hierzu soll uns dieses beliebige Farbfoto dienen:

crw_0817

Dieses Foto wollen wir nun mit Hilfe des Kanalmixers in ein Schwarz-Weiß-Foto umwandeln.

Hierbei kann es gerade für Anfänger nützlich sein, sich einmal anzusehen, wie das Foto aussieht, wenn man es zu 100% über einen der Farbkanäle umwandelt. Dies bedeutet, dass einer der Farbkanäle auf 100% gesetzt wird und die anderen beiden entsprechend auf 0%. Dadurch bekommt man zum einem einen Eindruck, wie sich die einzelnen Farbkanäle auf das Bild auswirken und zum anderem erkennt man so sehr gut, welcher der Kanäle für sich am besten wirkt und insofern auch bei dem fertigen Foto das größte Gewicht bekommen sollte.
Wenn man dieses Foto nun z.B. zu 100% über den Rotkanal umwandelt, dann erhält man dieses Ergebnis:

rot

Wie man sieht, wird der Himmel recht dunkel, zugleich entsteht aber auch ein sehr schöner Kontrast zu den Wolken. Dies liegt einfach daran, dass sich die Farbkanäle vom groben Prinzip her genauso verhalten, wie in der analogen Fotografie die Farbfilter. Dies bedeutet, dass die jeweilige Komplementärfarbe ausgesperrt wird und die Eigenfarbe verstärkt durchgelassen wird. Dadurch werden blaue Flächen beim Rotkanal dunkel und rote hell.
Wenn man das selbe Foto nun über den Blaukanal zu 100% umwandelt, erhält man dem entsprechend ein genau gegenläufiges Ergebnis:

blau

Wie man sieht sind hier die roten Flächen dunkel geworden und der blaue Himmel ist extrem hell geraten. Da man hierdurch den Kontrast zu den Wolken verliert, kann der Blaukanal für die Umwandlung des Fotos keine allzu gewichtige Rolle spielen. Ganz auf ihn verzichten sollte man jedoch auch nicht, da es einem ansonsten auf den roten Flächen, also der Mauer und dem Förderturm doch etwas an Zeichnung und Kontrast fehlt.

Als nächstes will ich hier dann nun zeigen, wie das Foto aussieht, wenn man es zu 100% über den Grünkanal umwandelt:

gruen

Im Falle meiner Beispieldatei bildet der Grünkanal also so eine Art Mittelding. Stellt insofern also einen Kompromiss da, wirkt für sich alleine aber auch eher etwas flau und nicht sehr ansprechend.
Insofern habe ich mich für die finale Umwandlung für 80% Rotkanal, 15% Grünkanal und 5%Blaukanal entschieden. Somit erhalte ich zusammen wieder 100%. Diese Faustregel, ist heute zwar nicht mehr so wichtig, wie sie einmal war, dennoch kann es gerade zu Anfang nicht schaden, wenn man sich an ihr orientiert und versucht zumindest ungefähr auf 100% zu kommen, wenn man alle drei Farbkanäle zusammen rechnet. Denn dadurch erreicht man eigentlich immer recht ausgewogene Schwarz-Weiß-Fotos, die keine großen Brüche aufweisen. Wichtiger sollte jedoch dennoch das eigene Gespür für eine gute Bildwirkung sein und mit wachsender Erfahrung im Umgang mit diesem Werkzeug, wird sie auch zum ausschlaggebenden Punkt werden.
Hier nun aber ersteinmal das fertige Foto:

r80g15b5

Wie man sieht, kann man bei der Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Hilfe des Kanalmixers sehr gute und individuell auf das jeweilige Foto abgestimmte Ergebnisse erzielen.
Als Gegenbeispiel hier noch das Foto, dass man erhält, wenn man einfach über Graustufen umwandeln lässt:

graustufen

Für wirklich gute Schwarz-Weiß Fotos am besten gleich in RAW

Nachdem ich hier nun die Verwendung des Kanalfilters erklärt habe, möchte ich nun noch einmal darauf zurück kommen, das man am besten gleich das RAW-Format benutzt um bei der Bildbearbeitung zu wirklich guten Schwarz-Weiß Fotos zu gelangen. Dies liegt schlicht weg daran, das in einer RAW-Datei mit Abstand die meisten Bildinformationen enthalten sind, die man sich dann auch bei der Umwandlung in Schwarz-Weiß zu nutzen machen kann.

Auch hierzu eben ein kurzes Beispiel. Zunächst einmal das Farbfoto im unbearbeiteten Zustand, so wie es aus der Kamera kam:

IMG_2689

Hier nun zum Vergleich meine fertige Version des Fotos in Schwarz-Weiß:

IMG_2689-1

Für dieses Foto habe ich bei der Bearbeitung die RAW-Datei genutzt. Man sieht also hier im direkten Vergleich, was sich alles aus einer RAW heraus holen lässt.
Und natürlich habe ich bei der RAW-Entwicklung und der Umwandlung in Schwarz-Weiß auch wieder den Kanalmixer benutzt.
Zum Vergleich hier einmal das Foto ohne Verwendung des Kanalmixers bei ansonsten völlig identischer Bearbeitung:

IMG_2689-2

Wie man sieht lies sich die Bildwirkung durch die Verwendung des Kanalmixers verbessern und konnte ich einige Details heraus arbeiten, die ohne einfach abgesoffen wären.

Fazit: Den Monochrom-Modus der Kamera lässt man einfach links liegen und fotografiert stattdessen einfach in Farbe. Die Umwandlung in Schwarz-Weiß erfolgt erst später am Rechner und unter Verwendung des Kanalmixers. Außerdem sollte man wann immer möglich im RAW-Format fotografieren, so die eigene Kamera dies unterstützt.

Ich hoffe der Artikel ist für den einen oder anderen hilfreich. Außerdem freue ich mich natürlich über Feedback und Verbesserungsvorschläge. Insbesondere falls ihr noch weitere Tipps habt, die es einem Anfänger erleichtern zu guten Fotos in Schwarz-Weiß zu kommen, auf die ich hier nun nicht eingegangen bin.

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