Behind the Picture: Alkohol

Dies ist der erste Behind the Picture Artikel hier auf Fotografiemania. Und anders als in meinen How To Artikeln soll es hier nicht um die technische Seite der Fotografie gehen. Ich möchte mich hier nicht zu Blende, ISO Wert und Bildbearbeitung auslassen. Vielmehr soll es in den Behind the Picture Artikeln um die Geschichte hinter dem Foto bzw dessen Bedeutung für mich gehen.

Den Anfang macht nun mein Foto “Alkohol”, da es vielleicht nicht mein bestes Foto ist, dafür aber mit Sicherheit das persönlichste Foto, das ich bislang gemacht habe.

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Die Geschichte hinter dem Bild

Zur Geschichte hinter dem Bild, kann ich nur sagen, das ich in meinem Leben bislang viele, zumeist negative Erfahrungen mit dem Thema Alkohol gemacht habe. Meine Mutter war/ist Alkoholikerin. Genau sagen kann ich das nicht. Jedenfalls war sie es, bis der Kontakt Mitte Januar 1991 abgerissen ist.
Außerdem habe ich Januar 2005 oder 2006 meinen Patenonkel beerdigen müssen, nachdem dieser sich über Jahrzehnte als Pegeltrinker mit Bier konsequent zugrunde gerichtet hatte und das letzte Jahr dann als medizinisch ausgereizter Fall auf der Alten- und Sterbestation des Krankenhauses lag. Aufgedunsen wie ein Schwamm und kaum noch ansprechbar. Ein Schatten seiner selbst.

Darüber hinaus ist vor Jahren meine Freundschaft zu meinem damaligen besten Freund an dessen Alkoholkonsum zerbrochen, da dieser auch viel zu viel getrunken hat und wenn er dann betrunken war, absolut nicht mehr wusste, was er tut und sagt, ich mir dies irgendwann aber auch nicht mehr weiter antun konnte.

Zu Guter Letzt habe ich irgendwann auch selbst zu regelmäßig und zu viel getrunken. Aus ab und an mal ein zwei, vielleicht drei Bier wurde mit der Zeit täglich und vier bis acht. Wie gesagt zu viel und zu regelmäßig. Zwar hatte ich das irgendwo im Griff, habe immer erst nach Feierabend getrunken wenn nichts mehr zu erledigen war und war ich am nächsten Tag auch wieder pünktlich auf der Arbeit und habe meinen Job erledigt. Aber trotzdem: Auf Dauer konnte es so nicht weiter gehen.

Meinen persönlichen Hallo-Wach-Moment hatte ich, als nun meine letzte Beziehung nicht nur, aber auch an meinem Alkoholkonsum gescheitert ist. Und auch wenn diese Einsicht leider zu spät kam für die Beziehung mit der Frau, die ich nach wie vor über alles liebe, so kam die Einsicht zumindest und ist es für mich das einzig positive an der Trennung, das ich dadurch endlich wach wurde und wirklich die Motivation gefunden habe, mit dem Trinken auf zu hören.

Bereits als ich selbst noch getrunken habe, fand ich als Dream Theater Fan die “Twelve Step Suite” immer schon höchst beeindruckend. Setzt sich in ihr doch ihr ehemaliger Drummer Mike Portnoy nachdem er trocken geworden war, wie ich finde sehr beeindruckend mit seiner Alkoholsucht auseinander, indem er dem 12-Punkte-Programm der Anonymen Alkoholikern ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. (Wer sich dafür interessiert findet die Twelve Step Suite hier auf Youtube.)

Irgendwie unter anderem dadurch inspiriert wuchs auch in mir das Bedürfnis, mich noch einmal der Thematik zu stellen und mich mit der Problematik auseinander zu setzen. Da ich nun allerdings denkbar unmusikalisch bin, entschied ich mich dafür, mich fotografisch mit dem Thema zu befassen.

Die Idee zum Bild

Nachdem ich mich entschieden hatte, mich auf jeden Fall noch einmal fotografisch mit dem Thema zu befassen, begannen meinen Überlegungen was ich für ein Foto machen wollte.
Mir war es wichtig, vor allem dadurch das es meinen Erfahrungen entspricht die ich in meinem Leben immer wieder machen musste, zu zeigen, das nicht nur der harte Alkohol wie Wodka und Co eine zerstörerische Wirkung haben können, sondern auch der deutlich akzeptiertere wie Bier und Wein. Auch wenn es hier langsamer von statten geht, kann Alkohol auch in dieser Form zu einer bösen Falle werden.

Außerdem wollte ich zeigen, wie Alkohol nicht nur am Rande der Gesellschaft sondern auch in ihrer Mitte Existenzen bestimmen kann. Wie man mitten im Arbeitsleben stehen kann und trotzdem Abends zu hause seine Zuflucht im Alkohol suchen kann, um “runter zu kommen”, “abzuschalten” und “schlafen zu können” oder auch einfach um seine Probleme und seine Einsamkeit zu vergessen.

Aus diesen Überlegungen heraus erwuchs dann die Idee, einen Tisch voller lerer Bierflaschen und Dosen, Weinflaschen und ein paar Dosen Energiedrinks zu zeigen. Mich in Hemd und mit Krawatte auf Halb Acht hängend und der Pulle Bier in der Hand dazu auf die Couch zu lümmeln. Darüber hinaus war es mir wichtig, das die Schärfe nicht auf meinem Gesicht liegt. Nicht etwa damit ich nicht erkannt werde, sondern da ich in dem Bild als Platzhalter fungieren wollte. Stellvertretend für alle, die von der Problematik betroffen sind. Die Bildaussage und somit auch der Fokus sollte eben auf dem Alkohol und seiner Problematik liegen.

Ob es mir nun gelungen ist, die beabsichtigte Bildwirkung zu erzielen und die Message zu transportieren, muss letztlich jeder Betrachter selbst entscheiden. Die Kommentare auf Google Plus, zeigen mir aber, dass das Foto durchaus wirkt und das freut mich.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis für alle Betroffenen: Unter (02 21) 89 20 31 erreicht man die telefonische Beratung der BZgA. Außerdem kann man hier nach einer Beratungsstelle bei sich vor Ort suchen.

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