Behind the Picture: Passing By (1+2)

Nach meinen Behind the Picture Artikeln zu “Old Couple” und “Alkohol” möchte ich die Reihe nun mit einem Behind the Picture zu meinen Fotos “Passing By” und “Passing By (2)” fortsetzen.

Wie gehabt möchte ich mich hier nicht lange mit der technischen Seite der Fotos aufhalten sondern das Hauptaugenmerk eher auf die Geschichte hinter dem Bild und seine Entstehung legen. Zumal ich mich bei den beiden Fotos endlich mal dazu aufraffen konnte, mich einmal ein wenig ernsthafter mit der Streetfotografie zu befassen.

Die Streetfotografie ist für mich ein Genre, das mich schon immer fasziniert hat und wo viele andere auch richtig grandiose Fotos hinbekommen. Irgendwie hatte ich da nun schon seit längerem das Bedürfnis mich selbst auch einmal daran zu versuchen, hatte aber bisher dann doch immer einen Bogen darum gemacht, da die rechtliche Situation in Deutschland da ja leider keine einfache ist. Vor allem ist sie nicht im Sinne des Fotografen.

Naja sei es wie es ist, ich habe mich dann nun doch einmal daran versucht und hier sind die Ergebnisse:

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Die Geschichte hinter den Bildern

Wie gesagt hatte ich schon länger vor, mich einmal an der Streetfotografie zu versuchen. Außerdem habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, meinen Einstieg darin mit Obdachlosen und Bettlern zu versuchen. Zum einem da mir gelegentlich vorgeworfen wurde, ich würde das Ruhrgebiet immer ein wenig zu schön und zu positiv darstellen und nie seine Schattenseiten zeigen. Zum anderem aber auch, da mich der Gedanke reizte, damit auf Gegensätze und soziale Spannungen in der Gesellschaft hindeuten zu können und zugleich die Möglichkeit zu haben, das ganze einmal zu einer Serie aus zu bauen.
Von daher bin ich ganz bewusst los gezogen, um nach passenden Motiven zu suchen, wodurch sich mir mein 70-300mm Teleobjektiv geradezu aufzwang. Mit dem Tele und ner 500D fällt man in der Fußgängerzone schon genug auf. Insofern lag für mich der Vorteil darin, mit dem Tele wenigstens deutlich mehr Abstand halten zu können als mit meinen anderen Objektiven und dadurch ein natürlicheres Verhalten einfangen zu können.

Vor dem Forum in Mülheim an der Ruhr hab ich dann mein Motiv gefunden. Das ich ihn fotografieren wollte, war mir sofort klar, als ich ihn dort sitzen sah. Er als Bettler mit dem Schild “Bitte habe Hunger” zwischen den Passanten direkt vor dem Bäcker war für mich einfach der perfekte Gegensatz und das perfekte soziale Spannungsfeld, nach dem ich gesucht hatte. Und während man auf den Fotos sieht, das er mit diesem Schild direkt vor einem Bäcker sitzt, sieht man auf den fertigen Fotos nicht mehr, das er direkt vor dem teuren Bio-Bäcker mit seiner entsprechend zahlungskräftigen Kundschaft sitzt. Im Prinzip also die maximale Fallhöhe. Mir aber auch zu maximal, so das es für mich völlig ausreichte zu zeigen, das er mit seinem “Habe Hunger” Schild direkt vor einem Bäcker sitzt und von den Passanten und Kunden eigentlich völlig ignoriert wird.

Da mir bereits beim Fotografieren klar war, das ich die Fotos final in Schwarz-Weiß umwandeln will, habe ich auch direkt den ISO-Wert auf 3200 gesetzt. Für Fotos am hellichten Tag und mehr als ausreichendem Licht um auch bei ISO 200 oder 400 fotografieren zu können sicherlich eine ungewohnte Einstellung für mich, aber eben eine bewusst getroffene Entscheidung, da ich für die fertigen Schwarz-Weiß Fotos auf jeden Fall das starke ISO-Rauschen mit seiner körnigen Anmutung haben wollte.

Meine unschöne Erfahrung die mich auch ziemlich geärgert hat

Nachdem ich einige Fotos von der Situation gemacht hatte und durchaus die Hoffnung hatte, ein paar brauchbare dabei zu haben, war mir klar, das ich von dem Bettler noch die Erlaubnis holen wollte, die Fotos auch zu verwenden.
Für mich ist das irgendwo eine Selbstverständlichkeit. Wenn ich Bettler und/oder Obdachlose fotografiere, spreche ich die Leute danach darauf an und frage nach der Erlaubnis die Fotos verwenden zu dürfen.

Da er dort ja mit seinem “Bitte Habe Hunger” Schild saß, fand ich es jetzt keine schlechte Idee, ihm erst einmal etwas zu Essen zu besorgen.
Als ich ihn ansprach, durfte ich jedoch erstmal eine recht negative Erfahrung machen. Denn zunächst lies er mich recht unfreundlich auflaufen. Und nachdem ich ihm dann dennoch erklärt habe, das ich ihn gerade fotografiert habe und gerne seine Erlaubnis hätte, die Fotos zu verwenden, erklärte er mir zunächst einmal, das er nix zu Essen brauche und wollte stumpf wissen, wie viel ich ihm bezahlen würde. Zu meinem Erstaunen wollte er noch nicht einmal die gemachten Fotos sehen sondern einfach nur die Summe wissen, die ich bereit sei ihm zu geben.
Nachdem man sich auf eine Summe geeinigt hatte, nahm er diese, sowie das Essen und wollte dann mit einem “Ok noch einen.” (die Summe war hoch genug das sie mit einem Geldschein bezahlt wurde) den gerade erst ausgehandelten und bezahlten Preis verdoppeln.

Da für mich die Fotografie reines Hobby ist und ich mit ihr absolut kein Geld verdiene war für mich hier nun allerdings irgendwo die Schmerzgrenze erreicht. Ich liebe die Fotografie und lasse mich dieses Hobby auch gerne etwas kosten. Immerhin reicht die einzige Einnahme die ich damit habe, die Adsense Werbung hier, in der Regel nichtmals zur Deckung der Serverkosten. Aber das wurde mir dann doch zu dumm und zu dreist. Insofern gab ich ihm zu verstehen, das wir uns gerade geeinigt hatten, er diese Summe bekommen hat und sogar noch das Essen genommen hat, das er ja angeblich nicht brauchen würde und ich insofern jetzt bestimmt nicht noch verdoppeln würde.

Trotzdem hatte ich danach irgendwo ein schlechtes Gewissen. Auch wenn ich mich doch zugleich ziemlich geärgert habe über diese dreiste Art und Weise.

Mein schlechtes Gewissen wurde jedenfalls erst am Abend etwas besser, nachdem ich mich über den Vorfall per Twitter mit Dennis Weissmantel unterhalten habe, den ich im Übrigen hier auch “Im Fokus” habe und vorstelle. Dieser war auch der Auffassung, das das Verhalten des Bettlers dreist war und es richtig von mir war, das ich mich nicht auf endlose Nachverhandlungen eingelassen habe.

Der Ausblick nach vorne

Nach dieser doch eher negativen Erfahrung stellte sich mir allerdings auch die Frage, ob ich in diesem Bereich noch weiter machen möchte. Zumal sich diese Angelegenheit durchaus recht schnell als recht teuer erweisen könnte.

Inzwischen steht für mich fest, das ich mich von dieser einen Erfahrung nicht sofort entmutigen lassen will. Ich werde erst einmal in diesem Bereich weiter machen und hoffe einfach darauf, das die zukünftigen Erfahrungen positiver sein werden. Einfach einmal abwarten.

Sollten sich Erfahrung in der Art wie ich sie hier bei meinem ersten Versuch gemacht habe allerdings häufen, werde ich die Streetfotografie (zumindest in der Art) wohl wieder dran geben. Erstens will ich das mir dann auf Dauer nicht zumuten und zweitens würde das Ganze für mich dann finanziell schnell den Rahmen dessen sprengen was ich mir nebenher leisten und erlauben kann.

Noch bin ich aber recht zuversichtlich das es dort auch positive Erfahrungen geben wird. Zumal mich diese Art der Fotografie halt schon sehr reizt. Zumindest will ich erstmal am Ball bleiben.

Und was ist mit euch? Welche Erfahrungen habt ihr mit der Streetfotografie bislang gemacht? Und wie beurteilt ihr die Situation und die Erfahrung die ich hier gemacht habe? Lasst mir doch einfach eure Meinung in den Kommentaren da. Freu mich drauf.

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